Gunung Bromo

Egal wie man nach Cemoro Lawang gelangt, muss man am Ortseingang an einer fragwürdigen Hütte erst einmal 10k abdrücken. Dabei handelt es sich wohl tatsächlich um eine semi-offizielle Eintrittsgebühr für das Gebirgsdorf bzw. den Nationalpark. Ziemlich grimmig und in Schals eingewickelt blicken einen dabei ein paar Männer aus der Hütte an. Insgesamt sind die Tengger, das rund um den Gunung Bromo ansässige Volk, auf den ersten Blick recht schweigsame und zurückhaltende Zeitgenossen. In vielen Berichten habe ich aber gelesen, dass sie wohl auftauen, sobald man mehr mit ihnen zu tun hat. Interessanterweise sind die Leute hier größtenteils hinduistisch, obwohl Java hauptsächlich von Muslimen bewohnt ist. Nach den Tengger ist auch der umliegende Bromo-Tengger-Semuru Nationalpark benannt.


Das Dorf liegt direkt am Rand der Tengger-Caldera. Eine Caldera ist eine kesselförmige Struktur, welche sich bildet, wenn ein Vulkan explodiert oder die oberen Magmakammern einstürzen. Im Fall des ehemaligen Vulkans Tengger erstreckt sich die Caldera über eine Fläche von mehr als 5000 Hektar auf einer Höhe von 2.100 Metern über dem Meeresspiegel. Cemoro Lawang liegt auf dem Kraterrand der Caldera, etwa 200 Meter über dem Sandmeer. Auf dem Boden einer Caldera bilden sich oft Vulkanseen. Die Tengger-Caldera hingegen ist mit Vulkansand bedeckt, weshalb sie auch Sandmeer genannt wird. Auf dieser recht ebenen Fläche haben sich fünf neue Vulkane gebildet. Die Vulkane Kursi, Widodaren, Wartangan sind noch aktiv, aber von Cemoro Lawang aus nicht gut zu sehen. Der Gunung Batok ist bereits erloschen und mit Pflanzen bewachsen. Dieser grüne, zerfurchte Berg inmitten des grauen Sandmeers ist ein beeindruckender Anblick.

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Neben dem Batok liegt der auf den ersten Blick recht unscheinbare Gunung Bromo mit einem weit geöffneten Krater. Was den Bromo allerdings so besonders macht, ist der Fakt, dass er noch sehr aktiv ist. Der letzte Asche-Ausbruch fand in 2015 statt. Durchgehend steigen dicke, weiße Schwaden aus dem Inneren des Kraters auf und es rumort darin. Überragt wird dies alles vom Gunung Semeru, der mit 3.676 Metern die höchste Erhebung Javas ist. Er ist ebenfalls noch aktiv und Teil des Tengger-Massives.


Cemoro Lawang ist relativ klein und man kennt sich schnell aus. Obwohl die Lage der Wahnsinn ist, wurde leider noch nicht viel daraus gemacht. Es gibt zwar auch ein paar gehobenere Hotels, wie zum Beispiel die Lava View Lodge, aber wirklich optimal genutzt wird die Lage am Kraterrand nicht. Auch ansonsten versprüht der Ort wenig Charme. Er besteht hauptsächlich aus recht günstigen Homestays (Einwohner, die ein oder mehrere Zimmer vermieten), kleinen Läden, Reisebüros und Geländewägen. Wir haben uns letztendlich dafür entschieden, im Café Lava abzusteigen. Was einmal ein einfacher, günstiger Geheimtipp war ist heute zwar noch einfach, aber nicht mehr günstig. Trotzdem ist es die einzige Budget-Unterkunft die man im Vornherein reservieren kann und die warmes Wasser garantiert. Das kann man auch gebrauchen, denn tagsüber bleibt ist frisch und nachts wird es recht zapfig mit Temperaturen knapp über Null. Von einer Heizung kann man hier natürlich nur träumen. Wenn man sich stattdessen entscheidet, in einem Homestay (Abwesenheit von Bettwanzen und Anwesenheit von warmen Wasser nicht garantiert) zu bleiben, sollte man am besten nach der Ankunft einige Homestays von innen besichtigen, bevor man seine Entscheidung trifft.

Essenstechnisch ist die Auswahl auch eher überschaubar. Egal wo man im Internet sucht, wird einem immer das Café Lava empfohlen. Die Stube ist beheizt, das Essen schmeckt gut und ist verblüffend günstig. Außerdem herrscht eine angenehme Backpacker-Atmosphäre.


Aber natürlich ist die Unterkunft und das Dorf eher nebensächlich. Der Star ist hier der Gunung Bromo. Diesen entdeckt man typischer Weise auf zwei Arten: bei einem Marsch zum Kraterrand und während eines Sonnenaufgangs vom Gipfel des Gunung Pananjakan (2770m) aus. Viele Reisende entscheiden sich hier für die standardmäßige Tour. Dort wird man morgens mit dem Geländewagen abgeholt, zu mehreren Aussichtspunkten gefahren um den Sonnenaufgang zu sehen, danach zum Krater chauffiert, den man besteigt und anschließend wieder beim Hotel abgesetzt. Der Spaß kostet normalerweise um die 250k pro Person und zusätzlich muss man noch 220k (bzw. 320k am Wochenende) für eine fragwürdige Nationalpark-Gebühr hinblättern. Außerdem ist man mit dutzenden anderen Geländewägen auf dem Weg. Alternativ kann man das alles mit etwas mehr Anstrengung und stimmungsvoller für den Preis von 0k IDR sehen. Im Internet kursiert die nachfolgende Karte, die einem ein paar Anhaltspunkte gibt:

Bromo-Map

Wir haben uns dafür entschieden, einen ganzen Tag für die Kraterbesichtigung und das Sandmeer zu nehmen und am nächsten Morgen vor der Weiterfahrt den Sonnenaufgang zu sehen. Wer einen noch strafferen Zeitplan hat, kann die Kraterbesteigung auch direkt an den Sonnenaufgang anknüpfen (ist dann aber gleichzeitig mit den Massen dort).


Um die Nationalparkgebühr zu umgehen, kann man einem kleinen Trampelpfad zum Sandmeer folgen. Hier wird man von niemandem um ein solches Ticket gefragt. Der Pfad beginnt direkt neben dem Cemara Indah Hotel (siehe Karte).  Innerhalb von 10-15 Minuten steht man am Beginn des Sandmeeres. Von dort ist es eine knappe halbe Stunde bis zum Fuß des Bromo. Man kann sich seinen Weg selbst aussuchen und diese unwirkliche Atmosphäre genießen. Auf dem Weg kommt man an einem kleinen, hinduistischen Tempel vorbei, der jedoch nur zu bestimmten Festlichkeiten im Jahr geöffnet ist. Am Fuß des Bromo gibt es dann einige kleine Stände, die Snacks und Getränke verkaufen. Morgens muss es hier fürchterlich zugehen, ab etwa 11:00 bis zum Nachmittag hat man den Bromo allerdings fast für sich alleine. Die Besteigung über einen breiten Pfad und anschließend schmale Treppen ist recht einfach in 10-15 Minuten zu bewältigen. Oben ist es dann für Leute mit Höhenangst nicht ganz ohne. Der Krater wird von einem 1-2m breiten Erdpfad umkreist, der zum Krater hin mit einem brüchigen, niedrigen Steinzaun und nach außen gar nicht gesichert ist.

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Die Ausblicke in den Krater sowie auf das Sandmeer sind aber natürlich der Wahnsinn. Zurück geht es auf demselben Weg. Hier wurden wird ziemlich eingeregnet. Wasserdichte Jacke und Schuhe sind also sehr zu empfehlen.
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Um den Sonnenaufgang zu erleben muss man recht zeitig aus den Federn. Etwa um 3:30 sollte man sich auf den Weg machen. Auch hier beginnt der Weg beim Cemara Indah Hotel. Von dort muss man an den drei rotweiß gestreiften Masten vorbei. Eigentlich kann man nicht viel falsch machen, denn es gibt nur die eine Straße. Etwas weiter geht ein kleiner Trampelpfad weg, man bleibt aber einfach auf der Straße und überquert eine Brücke. Nach etwa 30 Minuten ist man beim Seruni Point angelangt wo die ersten Stände sind. Dort beginnen Treppen, die einen zu einem ersten Aussichtspunkt bringen, der sich auf Google Maps „Mt Bromo Viewpoint 2 Seruni“ nennt. Dieser ist eher unromantisch und erinnert an einem Betonbunker. Jetzt wird es etwas abenteuerlich und wir hätten hier fast abgebrochen. Hinter dem Aussichtspunkt führt der Weg einen felsigen, steilen Aufstieg hinauf. Es gibt allerdings nur diese eine Kraxeleinlage, danach geht ein normaler Erdpfad durch den Dschungel. Hier gibt es jetzt immer wieder kleine Aussichtspunkte, die sich kleine Grüppchen von Wanderern reservieren. Wenn man diesem Weg noch eine gute Weile die Serpentinen entlang folgt, gelangt man schließlich zum Ziel. Der Aussichtspunkt nennt sich „King Kong Hill“ und liegt ein kleines Stück unter dem Gipfel des Gunung Penanjakan, an dem die Geländewagen halten. Hier ist zwar trotzdem noch etwas los, die Atmosphäre ist aber angenehm und der Ausblick über den gesamten Tengger Nationalpark bis hin zum Gunung Semeru ist einfach nur gewaltig.

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Wir waren etwa um 4:45 am Aussichtspunkt, haben aber auch ein flottes Tempo angelegt. Der Sonnenaufgang spielt sich dann zwischen 5:00 und 6:00 ab. Mit vielen Zwischenstopps und Fotos an den niedrigeren Aussichtspunkten waren wir gemütlich um kurz vor 8:00 zurück beim Frühstück. Man kann die Weiterreise also locker gegen 9:00 einplanen.

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Sehr nützlich für die Planung waren die Blogs Indojunkie und Reisen und Essen.

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2 Antworten zu “Gunung Bromo

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